Vereinshistorie Schachclub 1950 Remagen e. V.
Gründung / Erste Jahrzehnte
Nachdem das Ärgste nach dem Ende des 2. Weltkrieges überstanden war, fanden sich bereits im Jahre 1948 einige Schachspieler regelmäßig in der Gaststätte „Rheingold“ zusammen um dort zu spielen. Dies waren u. a. Peter Alfter, Wilhelm Marx, Georg Ruhmann, Georg Tonger, Josef Veith und Raimund Wiersbitzky. Im Jahr 1950 gründete diese lockere Spielgemeinschaft den „Schachclub 1950 Remagen“ dessen 1. Vorsitzender Raimund Wiersbitzky wurde.
Der Verein führte 1951 und 1952 viele Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus Sinzig, Heimersheim, Bad Neuenahr, Ahrweiler, Altenahr und Adenau durch. 1952 wurde dann erstmalig am Spielbetrieb des Schachverbandes teilgenommen, gestartet wurde in der Kreisklasse B. Erste Erfolge stellten sich bald ein. 1954 schaffe man den Aufstieg in die Kreisklasse A. Zwei Jahre später stieg man als Kreismeister in die Bezirksklasse auf, mit anschließendem Durchmarsch in die Oberliga, der damals höchsten Spielklasse.
Raimund Wiersbitzky legte 1954 den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde Paul Hähnel, unter dessen Leitung sich der Schachclub spaltete. 1956 gründete sich mit „Königs-Springer Remagen“ ein zweiter Verein im Ort. In einer stürmischen Versammlung wurde daraufhin Georg Ruhmann zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er nahm das Amt mit den Worten an: „Ich bleibe nur so lange 1. Vorsitzender, bis ich die beiden Vereine wieder zusammengeführt habe“, was ihm dankenswerterweise schon 1958 gelang. 1. Vorsitzender blieb er jedoch noch bis 1970, als ihn Dr. Heinz Dräger ablöste. Georg Ruhmann wurde daraufhin zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Bis zu seinem Tode 1995 blieb er dem Verein eng verbunden.
Die Oberligamannschaft von 1959 bestand nur aus reinen Hobbyspielern. Dies änderte sich jedoch, als in den 60er Jahren Hermann Michel, seines Zeichens Deutscher Schachmeister, zu den Remagener Schächern stieß. Er übertrug seinen Idealismus auf die noch jungen Spieler und formte um sich eine schlagkräftige Truppe. Aushängeschild dieses Ensembles war Dr. Helmut Becher, der durch seine unheimlich konsequente und streng logische Spielführung bestach. Sein größter persönlicher Erfolg war der Gewinn der Mittelrheinmeisterschaft 1966, heute vergleichbar mit der Landesmeisterschaft.
Dr. Becher war auch eine wesentliche Stütze der Mannschaft, die 1969/70 und 1970/71 die Meisterschaft in der Oberliga Süd errang. Ein Spieltag endete auf dem Boulevard in Paris, wo der Sieg gefeiert wurde. Weitere Spieler dieser Mannschaft waren Rainer Scholz, Gerd Garbe, Wilhelm Wucherpfennig, Wolfgang Segschneider, Manfred Schmiedel, Dr. Horst-Walter Endriss sowie Dieter Vielau, der damals noch sehr jung und überaus talentiert war. Als Belohnung für diesen Erfolg durften sie an der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft teilnehmen, wo Sie gegen den Europapokalfinalisten Porz antreten mussten. Dieses Match endete 2,5 : 5,5 zu Ungunsten Remagens, einzig Dieter Vielau konnte gewinnen.
1974 wurde die Schach-Bundesliga gegründet, Remagen wurde in die Oberliga, der zweithöchsten Spielklasse eingegliedert. Nur knapp verfehlte der Verein eine höhere Einstufung.
In den 1980er-Jahren fand eine Zäsur statt und die alte Garde zerbrach.Die noch jüngeren Spieler, Dr. Becher, Dr. Endriss und Vielau, fanden mit den Jahren neue Spielpartner. Hier sind Klaus Behrenbruch, Jockel (Prof. Dr. Joachim) Nagel, Nicola Panic, Raimund Busch und Wolfgang Ott zu nennen.
Im Oktober 1978 ließ sich der Verein in das Vereinsregister als gemeinnütziger Verein eingetragen.
Vereinsentwicklung von 1985 bis 2005
Der Verein erlebte etwa ab Mitte der 1980er Jahre einen Aufschwung, der sich an dem stetigen Zuwachs an Mitgliedern festmachen lässt. Während bis dahin etwa 30 bis 35 Mitglieder zu verzeichnen waren, stieg im Jahr 1986 die Mitgliederzahl auf über 40 an und steigerte sich auf maximal 61 Mitglieder im Jahr 2006.
Im Jahre 1990 wurde der Verein 40 Jahre alt. Aus diesem Anlass wurde ein internationales Open in der Rheinstadt veranstaltet. Insgesamt nahmen 82 Spieler aus sieben Ländern teil, darunter 6 Großmeister. Wegen der im Jahr 1989 stattgefundenen Wiedervereinigung Deutschlands, konnten auch erstmals Ex-DDR-Sportler an einem Turnier teilnehmen. Turniersieger wurde der tschechische Großmeister Janza.
Im Jahr 2000 war man Ausrichter der 25. Rheinlandmeisterschaften, die mit großem Erfolg in der Rheinhalle in Remagen ausgetragen wurden. Rheinlandeinzelmeister wurde Dr. Ralf Schön vom Schachclub Mendig-Mayen.
Große persönliche Erfolge von Remagener Spielern waren im Jahr 1993 die Ernennung von Wolfgang Ott zum „Internationalen Meister des Schachs“. Des Weiteren konnte Michael Czeratzki als einziger Remagener Spieler im Jahre 2005 den Rheinlandmeistertitel erringen.
Auch die Erfolge der Mannschaften waren beachtlich. Die 2. Mannschaft stieg in der Saison 1993/94 in die Rheinland-Pfalz-Liga auf und wurde dort auf Anhieb Zweiter. Einen sehr knappes Rennen um den 1. Platz gab es in der Saison 1994/95 in der Oberliga. Dort wurde die 1. Mannschaft Dritter, punktgleich hinter Andernach und Siershahn. Die 2. Mannschaft, in der Saison 1998/99 aus der Rheinland-Pfalz-Liga abgestiegen, schaffte in der Saison 2000/01 den Wiederaufstieg dorthin. In der Saison 2001/02 war es dann endlich soweit – nach Jahrzehnten der Zugehörigkeit zur Oberliga Südwest, stieg die 1. Mannschaft in die
2. Bundesliga West auf. Im Kader standen u. a. Arkady Berov, Jaroslav Skrokovski, Temur Parulava, Alfred Kertesz, Wolfgang Ott, Nicola Panic, Raimund Busch und Michael Czeratzki. Auch die 3. Mannschaft war in dieser Saison erfolgreich und wurde Meister in der Bezirksklasse.
In der ersten Saison der 2. Bundesliga wurde der 8. Platz erreicht und in den darauf folgenden Jahren konnte man sich stetig verbessern (2003/04: 4. Platz; 2004/05: 2. Platz hinter Godesberg).
Regelmäßig wurden Vereinsmeisterschaften durchgeführt, wovon sich das Blitzturnier, dass immer um den Nikolaustag stattfand, großer Beliebtheit erfreute (hier ein Foto aus dem Jahr 2003.
Jahre 2005 bis 2012 (Aufstieg und Zeit in 1. Schach-Bundesliga)
In der Saison 2005/06 ereignete sich dann der große Wurf: Mit 4 Punkten Vorsprung wurde Remagen I Meister der 2. Bundesliga-West und stieg in die höchste deutsche Spielklasse, die 1. Schachbundesliga, auf.
Der Kader musste daraufhin erweitert und verstärkt werden. Auch waren beträchtliche finanzielle Kosten zu schultern, da in der 1. Schachbundesliga die meisten Spieler Profis sind und den Schachsport beruflich betreiben. Das das Unternehmen 1. Schachbundesliga überhaupt gelingen konnte, war dem finanziellen Einsatz von Peter Noras, Dr. Horst Endriss und Dr. Heinrich Dräger sowie einigen Sponsoren zu verdanken.
In der Saison 2006/07 bestand der Kader aus 9 Großmeistern und 4 Internationalen Meistern und wies einen ELO-Durchschnitt von 2519 auf! Als bekannteste Großmeister kamen u. a. Vassily Ivanchuk (ehemals 2. der Schachweltrangliste !), Sergej Fedorchuk, Christian Bauer, Alexsander Goloshapov, Jean-Marc-Degraeve, Peter Popovic, Dr. Robert Hübner, Romuald Mainka, Alexander Dgebuadze zum Einsatz.
Und mit diesem Kader gelang dann auf Anhieb schier Unmögliches. Mit 18:12 Mannschaftspunkten belegte man den 5. Platz und schaffte die beste Platzierung in insgesamt 6 Jahren Schach-Bundesliga. In den darauffolgenden Jahren belegte man zweimal den 9., den 11. und 12. Platz, wobei die Stärke des gesamten Kaders immer bei etwa ELO 2530 lag.
In der Saison 2011/2012 konnte, trotz des stärksten Kaders (ELO 2547), der Abstieg nicht vermieden werden. Mit 7:23 Punkten erreichte man lediglich Platz 15.
Die Erfolge der anderen Mannschaften in dieser Zeit dürfen nicht unerwähnt bleiben. Remagen II konnte in der Saison 2009/10 in die 2. Rheinland-Pfalz-Liga aufsteigen und zwei Jahre später wieder in die Oberliga Südwest.
Zeit von 2012 bis 2016 (Umbruch nach Abstieg aus 1. Schachbundesliga bis zum Zusammenschluss mit Schachfreunden Sinzig)
Nach dem Abstieg aus der 1. Schachbundesliga im Frühjahr 2012 reifte nach Beratungen der Entschluss, dass der zu leistende Kosten- und Zeitaufwand zu hoch sei. Deshalb meldete man in der 2. Bundesliga-West keine Mannschaft, sondern startete direkt in die Oberliga Südwest.
Auch im Verein zeichnete sich etwa ab dem Jahr 2010 ein Umbruch ab. Zum einen ging die Zahl der aktiven Schachspieler allgemein zurück. Zum anderen zeigten Kinder und Jugendliche weniger Interesse sich in einem Schachverein zu engagieren - auch eine Folge des Internets und der wachsenden Computernutzung. Des Weiteren erlahmte im Verein das Interesse an den Vereinsspielabenden und den vereinsinternen Turnieren teilzunehmen. Lediglich das traditionelle Weihnachtsblitzturnier wurde immer durchgeführt.
In den Folgejahren, bis zum Zusammenschluss mit den Schachfreunden Sinzig im Jahr 2016, verschärfte sich diese Entwicklung bedauerlicherweise noch, so dass man sich im Jahr 2013 um eine Spielgemeinschaft mit den Schachfreunden Sinzig bemühte, die dann im Juni 2014 zustande kam.
Trotzdem der geschrumpften Mitgliederzahl konnten in diesen Jahren noch bedeutende Mannschaftserfolge erzielt werden. In der Saison 2012/2013 wurde man in der Oberliga Meister, man verzichtete jedoch auf einen Aufstieg.
Die Mannschaften der Spielgemeinschaft Remagen-Sinzig III wurden im Jahr 2015 Meister in der Bezirksklasse und die 1. Mannschaft wurde im Jahr 2016 Meister in der 2. Rheinland-Pfalz Nord und stieg in die 1. Rheinland-Pfalz-Liga auf.
Danksagung
Der Erfolg des SC Remagen in den vergangenen Jahrzehnten ist nur durch den Einsatz von besonders engagierten Mitgliedern möglich geworden.
Besonderer Dank gebührt:
Josef Freudenstein, Hans Strohe, Martin Kaiser, Dr. Heinz Dräger (1. Vorsitzender von 1970 bis 2016, Ehrenvorsitzender des SC Remagen-Sinzig), Dr. Helmut Becher, Prof. Dr. Horst-Walter Endriss, Peter Noras, Michael Czeratzki, Janusch Maschke